BTS Digital Content · Lernhilfe

Fotografie, Bildgestaltung und Video

Ein Einstieg in acht Themenbereiche. Lies die Grundidee, probiere die Beispiele aus und beantworte drei Kontrollfragen pro Abschnitt.

So nutzt du dieses Tutorial: Du brauchst keine bestimmte Kamera. Die Beispiele lassen sich mit einer Kamera oder oft auch mit einem Smartphone ausprobieren. Die angegebenen Werte sind Startpunkte, keine Regeln für jede Situation.

Die deutschen, französischen und englischen Fachbegriffe stehen im separaten Glossar.

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1Kamera und Technik

Ein Objektiv bündelt das Licht und projiziert ein Bild auf den Sensor. Der Sensor wandelt das Licht in digitale Werte um. Ein Objektiv besteht meist aus mehreren einzelnen Linsen.

Vollformat

Sensor mit ungefähr 36 × 24 mm.

APS-C

Kleinerer Sensor; bei gleicher Brennweite und gleichem Standort wird ein engerer Bildausschnitt aufgenommen.

Crop-Faktor

Beschreibt den Größenunterschied zum Vollformat. Er ändert die tatsächliche Brennweite des Objektivs nicht.

Beispiel: Ein 50-mm-Objektiv an einer APS-C-Kamera mit Crop-Faktor 1,5 zeigt ungefähr den Bildwinkel eines 75-mm-Objektivs an Vollformat, wenn du vom selben Standort fotografierst.

Worauf kommt es praktisch an?

Sensorgröße, Objektiv und Standort wirken gemeinsam. Wenn du mit einem kleineren Sensor einen ähnlichen Ausschnitt erzielen möchtest, kannst du ein Objektiv mit kürzerer Brennweite wählen oder deinen Standort ändern. Ein Standortwechsel verändert allerdings auch die Perspektive.

Megapixel allein entscheiden nicht über die Bildqualität. Licht, Objektiv, Schärfe und saubere Belichtung sind ebenso wichtig.

Kontrollfrage: Ändert der Crop-Faktor die Brennweite des Objektivs?

Nein. Er verändert den erfassten Bildausschnitt beziehungsweise den Bildwinkel im Vergleich zum Vollformat.

Kontrollfrage: Was ist der Unterschied zwischen Objektiv und Linse?

Das Objektiv ist die komplette optische Einheit; eine Linse ist eines ihrer einzelnen optischen Elemente.

Kontrollfrage: Warum verändert ein Schritt nach vorn mehr als ein nachträglicher Zuschnitt?

Ein Schritt verändert Standort und Perspektive. Ein Zuschnitt entfernt nur Bildränder aus derselben Aufnahme.

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2Belichtung

Belichtung beschreibt, wie viel Licht das Bild aufnimmt. Drei Einstellungen wirken zusammen:

Blende

Kleine Blendenzahl wie f/2,8 = große Öffnung, viel Licht und oft wenig Schärfentiefe.

Verschlusszeit

1/1000 s friert Bewegungen eher ein; 1/15 s zeigt Bewegung eher als Unschärfe.

ISO

Höhere ISO-Werte hellen das aufgezeichnete Signal auf; Bildrauschen kann zunehmen.

Das Histogramm zeigt die Verteilung dunkler und heller Bildwerte. Häufen sich Werte ganz links, können Schatten zulaufen; ganz rechts können Lichter ausfressen. Ein ND-Filter reduziert das Licht, damit etwa auch bei Sonne eine lange Belichtungszeit möglich ist.

Probier es aus: Fotografiere einen fahrenden Radfahrer einmal mit 1/1000 s und einmal mit 1/30 s. Halte Bildausschnitt und Standort möglichst gleich. Vergleiche die Bewegungsschärfe.

Die drei Einstellungen bewusst kombinieren

Wenn du die Verschlusszeit verkürzt, gelangt weniger Licht auf den Sensor. Für eine ähnlich helle Aufnahme kannst du zum Beispiel die Blende weiter öffnen oder ISO erhöhen. Jede Lösung hat eine andere sichtbare Nebenwirkung: Schärfentiefe, Bewegungsdarstellung oder Rauschen.

Ein helles Motiv muss nicht automatisch falsch belichtet sein. Kontrolliere die wichtigen Bildteile statt nur die durchschnittliche Helligkeit.

Kontrollfrage: Was passiert bei kleinerer Blendenzahl?

Die Blendenöffnung wird größer. Es kommt mehr Licht durch, und der scharf wirkende Tiefenbereich wird unter sonst gleichen Bedingungen oft kleiner.

Kontrollfrage: Welche Einstellung hilft zuerst, wenn eine Bewegung eingefroren werden soll?

Eine kurze Verschlusszeit, zum Beispiel 1/1000 s. Danach passt du Blende oder ISO für die gewünschte Helligkeit an.

Kontrollfrage: Was ist ein möglicher Nachteil sehr hoher ISO-Werte?

Mehr sichtbares Bildrauschen und je nach Kamera weniger nutzbarer Detailumfang.

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3Objektiv und Schärfe

Die Brennweite beeinflusst, wie weit oder eng die Szene erfasst wird. Ein Weitwinkel zeigt viel Umgebung; ein Teleobjektiv zeigt vom selben Standort einen engeren Ausschnitt. Eine Festbrennweite hat eine feste Brennweite, ein Zoomobjektiv kann sie verändern.

Fokussieren heißt, auf eine bestimmte Entfernung scharfzustellen. Schärfentiefe ist der Bereich davor und dahinter, der noch ausreichend scharf wirkt. Sie hängt unter anderem von Blende, Brennweite und Aufnahmeabstand ab.

Wichtige Unterscheidung: Brennweite heißt auf Französisch distance focale. Die Scharfstellung heißt mise au point. Ein unscharfer Hintergrund ist nicht dasselbe wie ein verwackeltes Bild: Bei Verwacklung bewegt sich die Kamera während der Aufnahme.
Probier es aus: Fotografiere eine Person vor einem entfernten Hintergrund. Fokussiere auf die Augen, gehe näher an die Person heran und nutze, falls möglich, eine größere Blendenöffnung. Beobachte den Hintergrund.

Schärfe gezielt steuern

Autofokus ist bequem, aber er muss auf dem richtigen Motiv liegen. Bei manueller Fokussierung stellst du die Entfernung selbst ein. Ein schönes Bokeh beschreibt die Wirkung unscharfer Bereiche; eine geringe Schärfentiefe beschreibt zunächst nur deren räumlichen Umfang.

Bewegungsunschärfe entsteht durch das bewegte Motiv, Verwacklung durch die Kamera. Ein Stativ verhindert Kamerabewegung, friert aber ein sich bewegendes Motiv nicht ein.

Kontrollfrage: Wohin setzt du bei einem klassischen Porträt den Fokus?

Meist auf das der Kamera nähere Auge.

Kontrollfrage: Hilft ein Stativ gegen Bewegungsunschärfe eines laufenden Menschen?

Nicht direkt. Ein Stativ stabilisiert die Kamera; für eine scharfe Bewegung brauchst du meist eine kürzere Verschlusszeit.

Kontrollfrage: Worin unterscheiden sich Zoom und Festbrennweite?

Beim Zoom lässt sich die Brennweite ändern. Eine Festbrennweite hat einen festen Wert.

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4Farbe und Bildformat

Der Weißabgleich passt die Farbwiedergabe an das Licht an. Warmes Licht wirkt eher orange, kühles Licht eher blau. Die Farbtemperatur wird in Kelvin angegeben. Bei Mischlicht können unterschiedliche Bereiche desselben Bildes verschiedene Farbstiche haben.

Querformat ist breiter als hoch, Hochformat höher als breit. Das Seitenverhältnis beschreibt Breite zu Höhe, etwa 16:9. Die Auflösung gibt die Anzahl der Pixel in Breite und Höhe an: 1920 × 1080 sind rund 2,1 Millionen Pixel.

Probier es aus: Fotografiere denselben Gegenstand unter Tageslicht und unter einer warmen Lampe. Vergleiche den automatischen Weißabgleich mit einer festen Einstellung.

Aufnahme und Ausgabe auseinanderhalten

Ein falscher Weißabgleich kann neutral weiße Flächen orange oder blau erscheinen lassen. Bei RAW-Dateien lässt sich der Weißabgleich später oft besonders flexibel anpassen. Bei starkem Mischlicht hilft es manchmal, eine Lichtquelle auszuschalten oder das Motiv anders zu platzieren.

Eine höhere Pixelzahl erlaubt oft größere Ausgaben oder stärkere Ausschnitte, macht ein unscharfes Foto aber nicht scharf.

Kontrollfrage: Ist 16:9 eine Pixelzahl?

Nein. 16:9 ist ein Seitenverhältnis. 1920 × 1080 ist eine konkrete Auflösung mit diesem Verhältnis.

Kontrollfrage: Welche Farbe kann weißes Papier unter einer warmen Lampe ohne passenden Weißabgleich annehmen?

Es kann gelblich oder orange erscheinen.

Kontrollfrage: Wie viele Pixel hat ein Bild mit 1920 × 1080 Pixeln ungefähr?

2.073.600 Pixel, also rund 2,1 Megapixel.

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5Bildgestaltung

Beim Bildausschnitt entscheidest du, was sichtbar bleibt. Die Drittelregel teilt das Bild gedanklich in neun Felder; wichtige Elemente können an Linien oder Schnittpunkten liegen. Sie ist eine Gestaltungsoption, keine Pflicht.

Auch der Kamerastandpunkt verändert die Wirkung: Auf Augenhöhe wirkt ein Motiv oft unmittelbar. Eine Untersicht kann es mächtig erscheinen lassen; eine Aufsicht zeigt mehr von oben. Vorder- und Hintergrund liefern Kontext oder lenken ab.

Probier es aus: Nimm dasselbe Motiv auf Augenhöhe, von unten und von oben auf. Verändere anschließend nur den Bildausschnitt. Welche Version erzählt am klarsten, worum es geht?

Mit Absicht auswählen

Frage dich vor der Aufnahme: Was soll zuerst auffallen? Ein ruhiger Hintergrund, freie Fläche in Blickrichtung einer Person und klare Linien können den Blick führen. Prüfe auch die Bildränder: Dort fallen störende Gegenstände oft erst nach der Aufnahme auf.

Eine tiefe Kameraposition zeigt mehr von der Unterseite und kann Größenverhältnisse dramatisieren. Ein hoher Standpunkt lässt Formen und Anordnungen am Boden deutlicher werden.

Kontrollfrage: Muss das Hauptmotiv immer auf einer Drittellinie liegen?

Nein. Eine mittige oder bewusst asymmetrische Komposition kann genauso sinnvoll sein.

Kontrollfrage: Warum sollte man die Bildränder vor dem Auslösen prüfen?

Damit störende oder abgeschnittene Elemente nicht unbemerkt die Wirkung des Bildes schwächen.

Kontrollfrage: Was ändert sich, wenn du die Kameraposition senkst?

Der Blickwinkel und damit die sichtbaren Flächen, Überlagerungen und die Wirkung des Motivs ändern sich.

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6Einstellungsgrößen

Die Einstellungsgröße bestimmt, wie viel von einer Person oder Szene zu sehen ist. Bezeichnungen und genaue Grenzen können zwischen Lehrsystemen etwas variieren.

EinstellungTypischer AusschnittWirkung
Supertotale / PanoramaSehr viel UmgebungOrt und Größenverhältnisse zeigen
TotalePerson vollständig mit UmgebungHandlung räumlich einordnen
HalbtotalePerson meist ganz, weniger UmgebungPerson und Bewegung betonen
Amerikanische EinstellungPerson ungefähr ab den KnienGestik und Handlung zeigen
Naheinstellung / GroßaufnahmeOberkörper beziehungsweise GesichtEmotion und Reaktion betonen
DetailaufnahmeKleines DetailAuf eine Information lenken
Beispiel: Eine Reportage beginnt mit einer Totalen des Raums, zeigt dann die sprechende Person näher und endet mit einem Detail ihrer Arbeit.

Einstellungen als Erzählwerkzeug

Weite Einstellungen geben Orientierung. Nähere Einstellungen zeigen Gesten, Gefühle oder Details. Ein Wechsel zwischen beidem kann eine Szene verständlicher machen. Die gewählte Größe hängt von der Information ab, die das Publikum gerade braucht.

Achte beim Schneiden einer Sequenz darauf, dass die Richtung und räumliche Lage der Motive nachvollziehbar bleiben.

Kontrollfrage: Welche Einstellung eignet sich, um zuerst den Ort einzuführen?

Eine Supertotale oder Totale zeigt die räumliche Situation besonders deutlich.

Kontrollfrage: Welche Einstellung zeigt ein kleines Objekt besonders deutlich?

Eine Detailaufnahme oder extreme Großaufnahme.

Kontrollfrage: Warum wechseln Filme häufig zwischen Totalen und Nahaufnahmen?

Die Totale erklärt den Raum; die Nahaufnahme lenkt auf Handlung, Reaktion oder Emotion.

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7Licht

Das Führungslicht ist die wichtigste Lichtquelle. Ein Aufhelllicht verringert starke Schatten. Gegenlicht kommt von hinter dem Motiv; als Kantenlicht kann es die Kontur hervorheben. Grundlicht oder vorhandenes Umgebungslicht bestimmt die allgemeine Helligkeit.

Hartes Licht erzeugt klare Schattenkanten, weiches Licht sanfte Übergänge. Ein Diffusor streut das Licht; ein Reflektor wirft vorhandenes Licht zurück auf das Motiv.

Probier es aus: Stelle eine Person seitlich ans Fenster. Nutze auf der schattigen Seite zunächst keine Hilfe, dann ein weißes Blatt als Reflektor. Vergleiche die Schatten.

Richtung und Größe der Lichtquelle

Eine scheinbar große Lichtquelle, etwa ein Fenster aus kurzer Entfernung, wirkt meist weicher als eine kleine direkte Lampe. Schiebst du einen Diffusor vor die Lampe, wird das Licht gestreut. Ein Reflektor erzeugt kein eigenes Licht, sondern lenkt vorhandenes Licht um.

Gegenlicht kann eine schöne Kontur erzeugen, aber das Gesicht zu dunkel lassen. Dann helfen Aufhellung oder eine angepasste Belichtung.

Kontrollfrage: Was macht ein Aufhelllicht?

Es hellt die vom Führungslicht erzeugten Schatten auf, ohne normalerweise selbst das wichtigste Licht zu sein.

Kontrollfrage: Was ist der Unterschied zwischen Reflektor und Diffusor?

Ein Reflektor wirft Licht zurück; ein Diffusor streut das Licht auf dem Weg zum Motiv.

Kontrollfrage: Warum kann ein Gesicht bei starkem Gegenlicht dunkel wirken?

Die helle Lichtquelle liegt hinter dem Motiv; von vorn erreicht das Gesicht deutlich weniger Licht.

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8Video und digitale Bildtechnik

Ein Video besteht aus vielen Einzelbildern (Frames). Die Bildrate gibt Bilder pro Sekunde an, zum Beispiel 25 fps. Wenn 100 Bilder pro Sekunde aufgenommen und mit 25 fps wiedergegeben werden, läuft die Bewegung viermal langsamer. Progressive Bilder sind vollständig; beim älteren Halbbildverfahren werden Bildzeilen zeitlich versetzt erfasst.

Ein Codec komprimiert und dekomprimiert Bild und Ton. Der Container fasst Video, Audio und Metadaten in einer Datei zusammen. Die Bitrate beschreibt die Datenmenge pro Sekunde. Mehr Bitrate kann mehr Details erhalten, erzeugt aber größere Dateien; die Qualität hängt auch vom Codec und Motiv ab.

Bei verlustbehafteter Kompression gehen Informationen dauerhaft verloren. Verlustfreie Kompression kann die Originaldaten wiederherstellen. Farbunterabtastung speichert Farbdetails gröber als Helligkeitsdetails; die Farbtiefe bestimmt, wie fein Farbwerte gespeichert werden können.

Beispiel: „MP4“ benennt meist den Container. „H.264“ bezeichnet einen Videocodec. Zwei MP4-Dateien können deshalb unterschiedlich kodiert sein.

Zahlen richtig deuten

Bildrate, Auflösung und Bitrate beschreiben unterschiedliche Dinge. 25 fps sagt, wie viele Bilder pro Sekunde laufen; 1920 × 1080 nennt Pixelmaße; 10 Mbit/s beschreibt eine Datenmenge pro Sekunde. Keine einzelne Zahl garantiert allein gute Qualität.

Für Zeitlupe brauchst du bei der Aufnahme in der Regel mehr Bilder pro Sekunde als bei der späteren Wiedergabe. Beachte, dass Aufnahme und Export dieselbe Bewegung unterschiedlich darstellen können.

Kontrollfrage: Sind Codec und Container dasselbe?

Nein. Der Codec bestimmt die Kodierung; der Container organisiert die verschiedenen Datenströme in einer Datei.

Kontrollfrage: Wie langsam läuft eine 100-fps-Aufnahme bei Wiedergabe mit 25 fps?

Viermal langsamer, sofern jedes aufgenommene Bild verwendet wird.

Kontrollfrage: Welche Angabe steht für die Auflösung: 25 fps, 1920 × 1080 oder 10 Mbit/s?

1920 × 1080 beschreibt die Auflösung in Pixeln.